Nachhaltiges Bürgerengagement im Bereich Grünflächen - How to?

Urbane Gemeinschaftsgärten und Grünflächenpatenschaften liegen im Trend wie nie zuvor. Die Stadt ist in weiten Teilen eng und grau, die Preise für Grundstücke und Mieten sind extrem und steigen weiter. Schrebergärten sind aber auf Jahre ausgebucht und den eigenen Garten hinterm Haus können sich in der Stadt eh nur die wenigsten leisten. Deshalb treibt es viele Leute inzwischen vor die Haustür, wo sie sich bewaffnet mit Spaten und Stiefmütterchen den Baumscheiben und Pflanzkübeln annehmen. Das bürgerschaftliche Engagement hat positive Auswirkungen auf beiden Seiten: Die Stadt spart Kosten für die Betreuung der Flächen und die Anwohner beteiligen sich mit ihrer eigenen Handarbeit an der Gestaltung ihrer Umgebung, was die Identifikation mit der Stadt wiederum steigert. Aber ist das die Ideallösung? Nicht ganz.

 

Im Optimalfall würde eine fortlaufende Kooperation zwischen den Bürgern und der Stadt entstehen. Kleine Unterstützungen halten die Motivation der engagierten Freizeitgärtner länger hoch. Für eine Grünflächenpatenschaft, wie sie in diesem Fall übernommen wurde, erhält der Pate eine Urkunde. Das ist eine nette Geste, die jedoch nicht langanhaltend wirkt. Wie wäre es mit einem Frühlingserwachen-Paket, bestehend aus einer neuen Handschaufel und einer bunten Mischung Blumensamen – immer im März? Oder einem Satz Nutzpflanzen-Samen, die dann auf der Fensterbank angezogen und im Frühling ins Freiland ausgesetzt werden können? Oder einem Eintrag in einer Art Bürger-engagieren-sich-Broschüre: Nach dem Motto „Wir gestalten Köln“? Oder wie klingen Foto-Wettbewerbe um die schönste Baumscheibe zu prämieren?

Natürlich ist auch das wieder mit Mehrausgaben verbunden. Aber ganz für umsonst ist ehrenamtliches Engagement dann eben doch nicht zu haben – zumindest dann nicht, wenn es nachhaltig den städtischen Geldbeutel im Bereich des urbanen Grüns entlasten soll. Gerade Gartenarbeit erfordert Geduld und Ausdauer. Und der Einsatz ist mit hohen persönlichen Kosten und großem Zeitaufwand verbunden. Außerdem trüben rücksichtslose Hundebesitzer, Ratten und menschlicher Vandalismus schnell den Spaß an der Arbeit. Rückschläge sind – wenn auch absehbar – sehr demotivierend. Und wenn deshalb irgendwann das Engagement wieder nachlässt, an den Einsparungen aber nicht mehr zu rütteln ist, dann steht das städtische Grün und auch die Stadt vor einem großen Problem: der Verfall setzt wieder ein und geht schneller von Statten als zuvor, nur diesmal ist keiner da, der eingreift – oder eben wieder nur bis zum nächsten Rückschlag. Die Stadt muss sich bemühen, einen andauernden Dialog mit ihren Grünflächenpaten zu führen. Sie sollte die Paten einladen zu Vorträgen, Infoveranstaltungen oder Workshops, und wie gesagt animieren zu heroischen Taten (Wettbewerb um die schönste Fläche) und diese dann aber auch entsprechend würdigen. Es darf bei den Paten nicht das Gefühl entstehen, alleingelassen zu werden. Die Bürger tun gern was für Ihre Stadt – das Engagement fördert das Zugehörigkeitsgefühl und die Lebenszufriedenheit. Aber die Stadt muss auch etwas zurückgeben und nicht nur streichen und kürzen und hoffen, dass der kleine Bürger den Rest schon schaukeln wird.

 

Zum Thema: Interessanter Weise spielt in der 2009 durchgeführten Bürgerumfrage zu bürgerschaftlichem Engagement (Veröffentlichung: Januar 2012) der Bereich Grünflächen(patenschaften) absolut keine Rolle. Warum? (http://www.stadt-koeln.de/mediaasset/content/pdf15/koelner-statistische-nachrichten-1-2012-buergerschaftliches-engagement.pdf)

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Das Hochbeet an der Guilleaumestraße wurde in der Vergangenheit von der Stadt gehegt, gepflegt und Jahr für Jahr neu bepflanzt. Leider ist dafür kein Geld mehr vorgesehen. Da sich einige Anwohner jedoch nicht damit abfinden wollen, dass diese großzügige Fläche zum reinen Hundeklo verkommt, wird jetzt selber Hand angelegt.

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